Bereits in der Formulierung des Projektziels wird deutlich, dass die Videografie vom UiD-Team als Methode und nicht als Selbstzweck angesehen wird:

„Erstellung von leicht zu handhabenden methodischen Instrumenten für die videogestützte Reflexion von Unterricht in professionellen Lerngemeinschaften (Schulgruppen, Fachgruppen, Haupt- und Fachseminare) mit dem Ziel, die Reflexions-, Handlungs- und Entwicklungskompetenz als Elemente professionellen Lehrerhandelns zu unterstützen.“

Bei diesem Ansatz wird der berufsbiografische Kontext der Lehrerbildung hervorgehoben; es wird ein subjektorientiertes Verständnis von Kompetenzentwicklung betont, bei der der Selbststeuerung, der Selbstreflexion, der distanziert kritischen Prüfung und der diskursiven Auseinandersetzung mit der eigenen Arbeit eine ausschlaggebende Rolle zugewiesen wird. Lehrerbildung wird hier im Sinne einer Herausbildung / Entfaltung der Persönlichkeit in der Berufsrolle Lehrer verstanden; die Bildung eines professionellen Selbstkonzeptes ist der Ansatzpunkt wie die Zielorientierung einer so verstandenen Lehrerbildung. Reflexivität und Diskursivität werden als professionelle Haltungen beschrieben, die mit Hilfe des Mediums Videografie entwickelt und entfaltet werden können. Hier bieten sich außergewöhnliche Möglichkeiten, eigene Handlungsabläufe durch den Videospiegel zu betrachten und damit subjektive Theorien ins Bewusstsein zu heben, um mit Hilfe eines ´reflecting team´, welches den Anspruch an Diskursivität einlöst, eine subjektorientierte wie theoriegeleite Reflexion über ´guten Unterricht´ bzw. ´Rollenklarheit und Haltung´ zu führen.
Der Video-Spiegel erleichtert dabei das Verständnis und die Erweiterung eigener Denk- und Handlungsmuster, er bietet als Methode neue Möglichkeiten, bildet aber als solcher noch kein Konzept einer Lehrerbildung (entsprechend wird auch von ´videogestützter Lehrerbildung´ gesprochen).
Letztlich hängt der erfolgreiche Einsatz der Videografie von einem abgestimmten Lehrerbildungskonzept ab, welches die Unterstützung von Reflexion mit Hilfe des Videospiegels im Sinne eines ressourcenorientierten Ansatzes nutzt und den lernenden Lehrer auf seinem Weg zu einem professionellen wie authentischen Selbst begleitet.
Die Konsequenz ist, dass die Arbeit der Ausbilder auch Reflexionsprozessen zu unterziehen ist, weshalb in diesem Ansatz nicht nur der Unterricht, sondern auch die Seminar-Konzepte der Ausbilder einem Diskurs geöffnet werden.