J. Baumert zur kollegialen Unterrichtsentwicklung

„Professionalisierung und Professionalität heißt, man besitzt eine Kasuistik, man besitzt eine Sprache, in der man in nicht verletzender Weise über die eigene Berufstätigkeit, das heißt über Fälle, über Unterricht reden kann, und das heißt, man muss Unterricht aufmachen. Man muss Abstand nehmen von der Vorstellung, als Lehrkraft ist man im Klassenzimmer autonom und alle Lehrkräften sind gleich.( ...) Warum kann eine Lehrkraft nicht alle drei Monate eine Unterrichtsaufzeichnung mitbringen, die Schüler aufgenommen
haben, und man bespricht sie in der Fachschaft.“
(J. Baumert in "Die Deppen der Nation", ZDF, 24.3.2002)

Wir interpretieren Herrn Prof. Baumert so: Professionelle Lehrerbildung soll es ermöglichen, sich fall- und situationsspezifisch mit Hilfe einer dezidierten Fachsprache zu verständigen. Die fallbezogene Arbeit erfordert Regeln für kollegiale Routinen und den inhaltlichen Austausch. Die Öffnung der Klassenzimmertüren, der jeweiligen subjektiven Theorien zum Unterricht und schulischer Prozesse, ist eine weitere notwendige Bedingung für die Unterrichts- und Schulentwicklung.
Der auf diese Grundlagen zurückgreifende Dialog muss "in nicht verletzender Weise" geführt werden, damit das gemeinsame Nachdenken zu einer konstruktiven Weiterentwicklung (von Unterricht) beitragen kann.