Das eigene Video im Forschungsfokus

Im Dialog mit mir selbst
Obwohl das Video natürlich nicht alle Facetten des Unterrichts abbilden, die Unterrichtsrealität also nicht objektiv wiedergegeben werden kann, liegt der Mehrwert des Videoeinsatzes in der Eröffnung des selbstbestimmten Lernfeldes, das Selbsterkenntnisse aus eigener Spurensuche evoziert; dabei ist small beautiful. Aus den Auswertungen der Interviews und der eigenen Anschauung in Ausbildungssituationen schließen Dorlöchter et al (2013), dass durch den Blick in den Videospiegel Situationen nacherlebt - besonders intensiv, wenn der Protagonist beim Anschauen des Videos nachträglich laut denkt -, Resonanzen erspürt und für Bewusstseinsprozesse genutzt werden können. So wird sichtbar, was entweder offensichtlich ist und/oder sich dem eigenen Blick zu entziehen droht. Die Videografie fungiert als Selbsterschließungsmedium, das in dem Spannungsfeld zwischen Betrachter (der Protagonist vor dem Video) und der videografierten Person (der Protagonist im Video) Lernchancen eröffnet und zum inneren Dialog anregt. Ist die Situation dann wieder ganz nah am Protagonisten dran, kann aus dem spezifischen Verständnis über Veränderungen nachgedacht und für die neuerliche Erprobung ein Vorsatz gefasst werden, der sich wiederum per Video überprüfen lässt.
Wird das Video in einer Lerngemeinschaft analysiert (vorher unbedingt eine Ethik der Videoarbeit verabreden), dann ist nach Altrichter/Posch (2007, S. 113 f) ein Dreischritt im Vorgehen zu beachten: Abgleich der konkreten, beobachtbaren Situationsbeschreibung, Abgleich der Interpretation der Situation, Entwicklung der subjektiv-evaluativen Bedeutung für den individuellen Betrachter; erst danach kann sinnvoll über eine Verstärkung des Handelns oder Alternativen nachgedacht werden.

Video als Mittel zur Verstärkung im Lernlabor
Wahl (2013 b) schlägt fünf Schritte unter Einbezug der Videoszene-Stopp-Reaktion-Methode vor, um Handlungsmuster zu entdecken und um die häufig beobachtete Diskrepanz zwischen Wissen und Tun aufzubrechen. Dorlöchter et al (2013) dokumentieren auf der der Veröffentlichung beigefügten DVD neben der Video-Stopp-Methode Übungen in der Art von Micro-Teaching sowie der Simulation von 1:1-Lehr-/Lernsituationen. Das alles dient dazu, subjektive Theorien zu bergen, sie bearbeitbar zu machen, konkrete Vorstellungen zum Lehrerhandeln offen zu legen bzw. neue zu entwickeln, Handlungen zu planen und im Schonraum einer kollegialen Lerngemeinschaft zu simulieren bzw. zu erproben; so wird Agieren in der realen Situation vorgeplant und mental abgesichert. Das eigene Video kann Ausgangspunkt, Zwischenschritt und Absicherung zugleich sein.